
«Hier riecht es nach ehrlicher Arbeit» – Wollenberg sei Dank: Die renommierte Agentur-Gruppe switch zieht an den Schellerdamm.
Es gehörte schon vor Jahren zu den Harburger Visionen, dass der Süden der Hansestadt eines Tages ein Ort sein könnte, an dem sich die sogenannten Kreativen niederlassen – Künstler, Grafiker, Agenturen, Werbefachleute und Designer. Jetzt sind sie da: Mitten im Harburger Binnenhafen ist Ende vorigen Jahres die Hamburger Agenturgruppe switch life brands vor Anker gegangen.
Mit 20 Mitarbeitern betreut switch namhafte Kunden aus ganz Deutschland. Noch bemerkenswerter ist die Tatsache, dass die drei Geschäftsführer, Elmar Sperling (47), René Fehrmann (37) und Bernd Hofmann (55), ihren bisherigen Topstandort in Hamburg-Neumühlen geräumt und gegen den eher erdigen Binnenhafen eingetauscht haben. Der Umzug in den Schellerdamm 2 a ist allerdings kein Zufall: Ein Teil des Hauses gehört Agentur-Gründer Elmar Sperling – eine Spätfolge der Ära Wollenberg (Marinas).
Das Gespräch mit Business & People findet im Untergeschoss des Hinterhauses statt. Dort, fast auf Wasserspiegelhöhe des Westlichen Bahnhofskanals, ist der Besprechungsraum. Hightech trifft hier auf nackte Stahlträger, Beton und unverputzten Backstein. Sperling: „Wir wollten unbedingt den Wasserbezug behalten.“ Und Fehrmann fügt hinzu: „Diese Räume sind rustikal und bodenständig. Hier riecht es nach ehrlicher Arbeit.“ Das ganze Ambiente passe zur
kreativen Branche.
Die Ortung des alten Speichers geschah in den Jahren, als der Hamburger Sterne-Koch Michael Wollenberg die Promi-Szene schockte und sich mit dem Marinas in der ehemaligen Seifenfabrik niederließ. Er sorgte für eine neue Wahrnehmung des Hamburger Südens. Sperling: „Also machten wir damals
im Marinas unsere Weihnachtsfeier. Ich war davon überzeugt, dass dieser Standort Potenzial hatte. Deshalb investierte ich in das Haus am Schellerdamm.“ Dass es am Ende nicht ganz so flott mit dem Binnenhafen voranging wie erhofft, räumt Sperling ein, aber jetzt sei die Zeit reif für einen Umzug gewesen. Mit dem Slogan „Wir denken weiter“ ist die Zielrichtung der Neu-Harburger treffend beschrieben. Sperling: „Uns geht es nicht nur um die kurzfristigen Marketingmaßnahmen für ein Produkt, sondern um zukunftsgerichtete Vermarktungskonzepte, die dem Kunden eine Perspektive aufzeigen. Wir können Unternehmensprozesse ganzheitlich begleiten und verstehen uns als strategischer Sparringspartner für unsere Auftragsgeber. Das ist unser Anspruch.“ So werden beispielsweise Workshops veranstaltet, in deren Rahmen Zukunftsszenarien entwickelt werden. Der Blick über den Tellerrand habe Methode.
Der Einstieg erfolgt häufig über Designaufgaben – einer der Schwerpunkte, mit denen sich das switch-Team befasst. So wurde unlängst ein neuer Auftritt für einen After Shave Balsam von Nivea entwickelt. Für den Getränkehersteller Vilsa entwickelte switch die Marke H2Obst – jene neue Generation von natürlichen „functional drinks“ auf Mineralwasserbasis. Auch im Eletronikbereich, hier aus der
Zusammenarbeit mit Acer und BenQ, bringt switch Erfahrung mit. Beispiele dieser Art gibt es in Hülle und Fülle. Dabei zielt switch immer darauf ab, Kreativität schon bei der Strategieentwicklung einzubringen. Sperling: „Um welches Produkt es sich handelt, ist dabei von untergeordneter Bedeutung. Es geht um Denkweisen und die Gesetze der Kommunikation.“
Ein besonderes Feld, das sich zudem in den vergangenen Jahren stark verändert hat, ist das Gesundheitswesen. Switch ist für namhafte Pharmaunternehmen aktiv, gestaltet auch dort von der Arztansprache bis zum TV-Spot die gesamte Bandbreite. Bernd Hofmann: „Der Markt hat eine große Eigendynamik.“ Für ihn sei dabei das klassische forschende Pharmaunternehmen oder Großunternehmen auf dem Sektor der Medizintechnik ebenso interessant wie beispielsweise der Privatklinikbereich, wo switch bereits über umfangreiche Erfahrungen verfügt.
Hofmann bringt durch jahrelange Berufserfahrung in leitenden Positionen internationaler Agenturen vielfältige Kontakte mit. Der Bereich switch:health wurde deshalb im Mai als selbstständige Gesellschaft aufgestellt. Sperling, Fehrmann und Hofmann erhoffen sich von ihrem neuen Standort im Channel auch neue Kontakte. Ein erster Blick auf das wirtschaftliche Umfeld hat dabei durchaus Optimismus ausgelöst.
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